Studium

Numerus Clausus (NC): Wie der Abiturschnitt über den Studienplatz entscheidet

Was ist der NC, wie wird er berechnet und welche Rolle spielt der Abiturschnitt bei der Studienplatzvergabe? Alle Antworten kompakt.

Lesezeit 8 Min. Aktualisiert 25.05.2026 1 Quellen Jan-Tristan Rudat Jan-Tristan Rudat
Inhalt

Was ist der Numerus Clausus?

Der Begriff Numerus Clausus (lateinisch: „geschlossene Zahl”) bezeichnet die Zulassungsbeschränkung für bestimmte Studiengänge in Deutschland. Wenn mehr Bewerber einen Studienplatz möchten als Plätze verfügbar sind, wird ein Auswahlverfahren durchgeführt. Das zentrale Kriterium dabei ist in den meisten Fällen der Abiturdurchschnitt.

Der NC ist kein fester Grenzwert, den eine Hochschule festlegt. Er ergibt sich vielmehr im Nachhinein aus dem Verfahren: Der NC eines Semesters ist die schlechteste Note des zuletzt zugelassenen Bewerbers im jeweiligen Vergabeverfahren.

Wie wird der Abiturschnitt berechnet?

Der Abiturschnitt – offiziell Abiturnotendurchschnitt oder Gesamtqualifikation – ergibt sich aus den Leistungen in der Qualifikationsphase (Q-Phase) und den Abiturprüfungen. Die genaue Berechnung unterscheidet sich je nach Bundesland leicht, aber das Grundprinzip ist überall ähnlich:

  1. Block I – Qualifikationsphase: Die Noten aus vier Halbjahren (Q1 bis Q4) fließen gewichtet ein. Dabei können nicht alle Kurse, sondern nur eine Auswahl (Einbringungspflicht) angerechnet werden.
  2. Block II – Abiturprüfungen: Die Ergebnisse aus den schriftlichen und mündlichen Prüfungsfächern werden zusammengezählt.

Die Gesamtpunkte aus Block I und Block II ergeben dann nach einer Umrechnungstabelle den Abiturschnitt zwischen 1,0 (beste Note) und 4,0 (schlechteste Note, die noch zum Abitur führt).

Umrechnungstabelle Gesamtpunkte zu Abiturnote (Beispiel NRW)

GesamtpunkteAbiturnote
9001,0
8231,3
7461,6
6692,0
5682,5
4663,0
3004,0

Die genaue Umrechnung ist länderspezifisch und kann bei der zuständigen Schulbehörde erfragt werden.

Wie funktioniert die Studienplatzvergabe?

Für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge (z.B. Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie) ist die Stiftung für Hochschulzulassung (früher ZVS) zuständig. Das Verfahren gliedert sich in:

  • Vorabquoten: Bestimmte Gruppen erhalten vorab einen Teil der Plätze – z.B. Härtefallanträge, Bewerber mit Behinderung, Berufsausbildete oder ausländische Staatsbürger.
  • Abiturquote (AdH): 30 Prozent der verbleibenden Plätze werden nach dem Abiturschnitt vergeben.
  • Hochschulquote (HZB): 70 Prozent der Plätze vergeben die Hochschulen nach eigenen Kriterien – z.B. Abiturschnitt kombiniert mit Wartezeit, Auswahlgespräch, Motivationsschreiben oder Berufsausbildung.

Für die meisten anderen Studiengänge führen die Hochschulen eigene Zulassungsverfahren durch.

NC ist nicht gleich NC – wichtige Unterschiede

Lokaler NC vs. zentraler NC

Der lokale NC gilt für eine bestimmte Hochschule und kann stark vom bundesweiten Schnitt abweichen. Eine Hochschule in einer weniger gefragten Stadt kann denselben Studiengang mit einem NC von 2,8 anbieten, während eine Hochschule in München oder Hamburg einen NC von 1,5 hat.

NC schwankt jedes Semester

Der NC des letzten Jahres ist nur ein Richtwert. Je nach Bewerberlage kann er im aktuellen Semester höher oder niedriger liegen. Deshalb sollte man sich nie ausschließlich auf den NC des Vorjahres verlassen.

Strategien für Bewerber mit schlechtem Schnitt

Wartesemester nutzen

Wer im ersten Versuch keinen Platz bekommt, kann Wartesemester sammeln. Pro Wartesemester steigt die Chance in der Wartesemester-Quote. Das kann sich bei begehrten Fächern über viele Jahre erstrecken – bei Medizin warten manche Bewerber bis zu acht Jahre.

Andere Hochschulen prüfen

Viele Studiengänge ohne NC oder mit besserem NC existieren an anderen Hochschulen. Es lohnt sich, bundesweit zu recherchieren und nicht nur auf Wunschhochschulen zu setzen.

Zugangswege über Berufsausbildung

Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, kann in einigen Bundesländern oder Hochschulen Sonderpunkte für die Hochschulquote erhalten. Das verbessert die Chancen unabhängig vom Abiturschnitt.

Fazit

Der Numerus Clausus ist ein Ergebnis des Wettbewerbs um begrenzte Studienplätze, kein starres Limit. Wer seinen Abiturschnitt kennt und versteht, wie das Vergabeverfahren funktioniert, kann strategisch vorgehen – sei es über die Hochschulwahl, Wartesemester oder alternative Zugangswege. Der eigene Notenschnitt lässt sich schnell mit dem Rechner auf notendurchschnitt-rechner.de überprüfen.

Häufige Fragen

Was bedeutet NC 2,5 für einen Studiengang?

Ein NC von 2,5 bedeutet, dass der zuletzt zugelassene Bewerber im vergangenen Vergabeverfahren einen Abiturschnitt von 2,5 hatte. Wer besser als 2,5 ist, hatte gute Chancen auf einen Platz – aber der NC schwankt jedes Semester.

Kann man trotz schlechtem NC einen Studienplatz bekommen?

Ja, über Wartesemester, Sonderkontingente (z.B. für Auslandsdeutsche oder Personen mit Behinderung) oder über das Auswahlgespräch an der Hochschule. Außerdem gibt es viele Hochschulen, die den gleichen Studiengang ohne NC anbieten.

Quellen

  • Stiftung für Hochschulzulassung – Vergabeverordnung und Verfahrensdokumentation (hochschulstart.de)
Jan-Tristan Rudat

Über die Autorenschaft

Jan-Tristan Rudat

Redakteur notendurchschnitt-rechner.de

Themengebiet: Generationen, Kulturgeschichte, Sternzeichen, Pop-Phänomene rund ums Alter

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